terracotta

Das ist also terracotta. Ein bisschen werde ich nun immer schmunzeln müssen, wenn ich dieses Wort höre. Und dabei an unser neues, meiner Meinung nach knall-oranges, Wohnzimmer denken. Aber solange ich mich nur ein winzig kleines bisschen an Wandfarben störe, ist auch alles in Ordnung.

Seit Sonntag wohne ich nun also in Hamburg. Gerade ich, die in jeder Unterhaltung immer und grundsätzlich Berlin bewirbt.

Es war nur ein halb-freiwilliger Umzug. Und ein Kulturschock obendrein. Von der Berliner Innenstadt in den Hamburger Randbezirk. Vom Ostkreuz nach Hamburg-Bramfeld, in eine Straße namens Brachetweg. Aus Berliner Perspektive ein Umzug aufs Land. Wir haben reichlich grün, wenig Nachbarn, einen See und einen Supermarkt, der seine Ladenöffnungszeiten gerade verkürzt hat. Dorfleben. Oder, wie Wikipedia über Bramfeld weiß: eine „Zwischenstadt“

Ein paar Fakten: Bramfeld, im Hamburger Nordosten gelegen, wird gerne als Arbeiterstadtteil bezeichnet. Die Bebauung variiert zwischen sehr eng und überwiegend aus Backstein und kleinen bis mittelgroßen Einfamilienhäusern mit Gärtchen in Seenähe. Der Stadtteil ist verkehrstechnisch kaum erschlossen. Erst Ende der 1930er Jahren wurde Bramfeld im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes eingemeindet. Da war die Planung für das S- und U-Bahn-Netz bereits abgeschlossen. So hatten und haben die Bramfelder halt Pech. Es gibt zwar immer wieder Pläne, den sogenannten „Wandsbeker Ast“ der U3 Richtung Bramfeld und Steilshoop zu verlängern, ich habe mir allerdings sagen lassen, dass diese Pläne in regelmäßigen Abständen auftauchen und wieder fallen gelassen werden. Und so mache ich mir lieber keine falschen Hoffnungen und gewöhne mich daran, mit dem Bus zur nächsten U-Bahn nach Barmbek zu fahren.

Eine Besonderheit ist mir schon aufgefallen: In Hamburg gibt es keine Spätis. Wer abends oder nachts spontan Tabakwaren, Naschwerk und sonstige gesundheitsfördernde Substanzen erstehen will, muss zur nächsten Tankstelle laufen. In meinem Fall erfordert das einen etwa 30 minütigen Fußmarsch, da die nächstgelegene Tankstelle bereits um 22 Uhr ihre Pforten schließt. So ist das wohl in der Zwischenstadt.

Aber gut, ich habe mir fest vorgenommen Hamburg eine Chance zu geben. Bisher ist auch alles gut gegangen. Der Umzug war anstrengend, wie Umzüge nun mal so sind und momentan stapeln sich überall Kisten, die ausgepackt werden wollen. Das ist wahrscheinlich auch gerade der Grund, warum ich im terracotta-Zimmer sitze und gar nicht daran denke produktiv zu werden. Ich fühle mich hier ja nicht unwohl. Die kürzeren Öffnungszeiten und längeren Wege führen bestimmt dazu, dass mein Leben organisierter wird. Mein Haushalt wird wahnsinnig strukturiert sein. Vielleicht bedeutet das auch, dass ich ein bisschen mehr „erwachsen“ werde. Und wenn ich mir die vielen junge-gebliebenen und jugend-verliebten Mit-Vierziger in Berlin-Prenzlauer Berg anschaue, dann ist „erwachsen sein“ auch gar nicht so schlecht. Und Hamburg auch nicht. Bestimmt.

In meiner ersten Nacht im neuen Zuhause habe ich auch nur vom Umziehen und Kisten packen geträumt. Und von unserer mexikanischen Haushaltshilfe Juanita. Wie auch immer mein Kopf sich sowas hat ausdenken können. Vielleicht ist es ein Wink, dass ich mir zum Auspacken professionelle Unterstützung zulegen sollte?

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