Ode an das Pendeln!

Ich verbringe aktuell an vier Tagen in der Woche etwa 3-4 Stunden täglich den Weg zwischen meinem Zuhause und der Arbeit zurück zu legen. Ich bin also quasi Profi-Pendlerin. Dabei bin ich nicht auf eine Fortbewegungsart festgelegt: Mal fahre ich Bahm, mal Auo, manchmal ein bisschen Fahrrad, bevor ich in die Bahn steige.
Und wie es mit jedem ungesunden Lebensstil so ist, bin ich da irgendwann einfach so reingerutscht… Dabei hätte ich die Warnzeichen schon in der Schulzeit erkennen müsen:

Bereits in der 7. Klasse (in Berlin geht die Oberschule erst ab Klasse 7 los), musste ich 60 Minuten mit der Straßenbahn zum Gymnasium meiner Wahl fahren. In der Nähe unserer Wohnung hätte es zwar auch Schulen gegeben, aber ich wollte unbedingt ans List-Gymnasium. Nicht wegen des guten Rufs oder der „gutbürgerlichen Erziehung“, mit der die Schule seinerzeit warb, nein, eigentlich nur weil es dort eine Schwimm-AG gab. Mein 12 jähriges Ich war sehr leicht zu beeindrucken. Bei der Schwimm-AG war ich dann auch tatsächlich ein einziges Mal. Die Schule wechselte ich allerdings zur 9.Klasse, weil ich nach einem Umzug vom Prenzlauer Berg nach Lichtenberg, eschlagene 90 Minuten ins kleinbürgerliche Niederschönhausen brauchte und das dann doch zu lang war. Schmerzgrenzen verändern sich erst im Laufe der Zeit.

Damit war mein vorgezeichneter Weg erst einmal unterbrochen. Doch ein paar Jahre später wurde ich wieder rückfällig: Erst nur kurz (ein paar Monate in der 13. Klasse lebte ich wieder im Prenzlauer Berg und fuhr erneut etwa eine Stunde zur Schule), doch die wenigen Monate reichten schon, um mich wieder anzufixen: Während meines Auslandssemesters in Wien suchte ich mir unter dem Vorwand, nichts günstigeres in der Nähe der Hochschule zu finden, eine Bleibe am anderen Ende der Stadt und fuhr so von einer Endstation zur nächsten, um zur FH zu kommen. Traumhaft! Zurück in Berlin versuchte ich mich in kleinen Dosen zu entwöhnen: erst ein 30 Minütiger Weg zur FH, dann 25 …

Aber als das Studium zu Ende war, spürte ich schon, dass es mit mir und der Pendelei noch nicht zu Ende sein konnte: Ich lernte einen wunderbaren Mann kennen. In Lübeck. Und so ersetzte ich das Berufspendeln durch regelmäßige Wochenendpendelei von Berlin nach Lübeck. Herrlich! Die Freude dauerte nicht lange an, der gesellschftliche Druck war zu groß, und so zog ich, gemeinsam mit dem Herzenensmann nach Hamburg. Ein für alle mal sollte es vorbei sein, mit der Pendelei, das schwor ich mir! Ich würde s leben, wie alle anderen auch! Kurze Wege, wenig Fahrerei, und schön viel Zeit für Freizeit!

Zwei Jahre lang war ich clean! Zwei Jahre, in Hamburg wohnen und arbeiten. Nur etwa ein Mal im Monat fuhr ich nach Berlin, führte ein normales Leben und war stolz darauf. Doch natürlich holte mich meine Vergangenheit wieder ein und der hart umkämpfte Hamburger Wohnungsmarkt half mir dabei: Wir fanden eine Wohnung in Friedrichsruh, schön weit draußen. Mitten im Sachsenwald, eine alte Villa am See. Hervorragend, um überall hin möglichst lange zu brauchen! Und, wie das Leben so spielt, fand ich einen neuen Job am anderen Ende des Bundelands. In Elmshorn. Und so fahre ich nun, Tag ein Tag aus von Friedrichsruh nach Elmshorn. 76 km einfach Strecke. Minimum 90 Minuten Fahrtzeit. Ein Traum!

Natürlich ist da die kleine Simme der Vernunft, die mir ins Ohr flüstert, dass ich das nicht ewig machen könne. Dass ich mein Leben vergeuden würde. So viel Zeit verschenke.

Und ja, natürlich kommen mir gelegentlich Zweifel. Andererseits habe ich den Lieblingsmann mittlerweile auch angesteckt: Er pendelt in die entgegengesetzte Richtung: Zurück nach Lübeck.

Aber was ist es denn, was so großartig ist, am Pendeln? Was macht mich süchtig?

So genau kann ich das nicht sagen. Es ist vielfältig.

An erster Stelle steht die Zeit: Frei nach dem Motto:Die Zeit in vollen Zügen genießen!

Dann kommt das liebe Geld: Ja, Pendeln ist teuer. Aber welche Droge ist das nicht? Und glücklicherweise hat der Gesetzgeber ein Herz für Pendler und gibt mir einen Teil der Kosten über den Lohnsteuerjahresausgleich zurück.

Schlaf! Ich komme meist zwischen 9 und 10 im Büro an. Für andere würde das bedeuten, dass sie lange geschlafen hätten. Aber ich, ich bin dann schon seit 06:30 wach und habe den Tag deutlich länger genießen können.

Ich weiß, so kann es nicht weiter gehen. Aber momentan fehlt mir die Kraft, Zeit und Geld gegen das Pendeln anzukämpfen. Ein Teufelskreis.

Ein ernstgemeinter Vorteil des Pendelns istz übrigens, dass ich zeit habe solche Artikel zu schreiben und meinen Instagram Account mit mehr oder weniger sinnvollen Fotos zu füttern!

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